Wie das Schweizer Spielzentrum Zini die Jugendkultur neu erfindet
Spielplatz und Kulturtreffpunkt in der Schweiz haben sich in den letzten Jahren zu einem dynamischen Zentrum für junge Menschen entwickelt. Das Projekt play-zini.ch/de-ch ist ein Beispiel dafür, wie kreative Initiativen die Grenzen zwischen Spiel, Musik und Gemeinschaft verschwimmen lassen. In Zürich, Bern und anderen Städten wird Zini nicht nur als Ort für Kinder und Jugendliche wahrgenommen, sondern als lebendiger Schauplatz für lokale Künstler, Workshops und nachhaltige Projekte.
Zini ist kein klassischer Spielplatz mehr, sondern ein multifunktionaler Raum, der sich an die Bedürfnisse der heutigen Generation richtet. Die Initiative setzt auf partizipative Ansätze: Jugendliche werden direkt in die Gestaltung der Veranstaltungen eingebunden, etwa durch Workshops zu Musikproduktion, Digitalkultur oder nachhaltigem Handeln. Besonders beeindruckend ist, wie Zini die Rolle traditioneller Spielplätze überwindet – statt nur Spielzeug zu bieten, wird hier eine Plattform geschaffen, die Kreativität und Gemeinschaft fördert.
Ein Modell für nachhaltige Jugendarbeit
Das Konzept von Zini basiert auf drei zentralen Prinzipien: Offenheit, Partizipation und Nachhaltigkeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Projekten, die sich auf einzelne Aktivitäten beschränken, verbindet Zini verschiedene Disziplinen – von Street-Art zu Musikproduktion, von Urban Gardening zu digitalen Medien. Ein konkretes Beispiel ist das „Zini Summercamp“, bei dem Jugendliche über mehrere Wochen hinweg an eigenen Projekten arbeiten können, von Podcasts bis hin zu interaktiven Installationen. Diese Form der langfristigen Begleitung zeigt, wie wichtig es ist, junge Menschen in ihrem eigenen Tempo zu fördern.
Ein weiterer Erfolg des Projekts liegt in der Zusammenarbeit mit lokalen Akteuren. Zini arbeitet eng mit Schulen, Kulturzentren und Unternehmen zusammen, um Ressourcen zu bündeln und den Zugang zu neuen Technologien und Materialien zu ermöglichen. Ein besonders gelungenes Beispiel ist die Partnerschaft mit der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), die Workshops zu digitalen Kunstformen anbietet. Dadurch wird Zini nicht nur zu einem Ort für kreative Freiheit, sondern auch zu einem Ort, an dem junge Menschen lernen, ihre Ideen mit professionellen Partnern zu vernetzen.
Zahlen und Fakten: Wie Zini wirkt
- Seit Gründung 2015 haben über 15.000 Jugendliche zwischen 10 und 25 Jahren Zini besucht, wobei die meisten Teilnehmer:innen aus sozial benachteiligten Familien stammen.
- Jährlich finden rund 300 Veranstaltungen statt, darunter 150 Workshops, Konzerte und öffentliche Kunstprojekte – viele davon in Zusammenarbeit mit internationalen Künstler:innen.
- Etwa 80 Prozent der Teilnehmer:innen berichten nach Abschluss der Projekte von neuen Fähigkeiten, die sie direkt im Berufsleben oder in ihrem sozialen Umfeld einsetzen können.
- Zini ist seit 2021 Teil des Schweizerischen Förderprogramms „Kultur macht stark“, was zu einer finanziellen Unterstützung von rund 500.000 Franken pro Jahr führt.
- Die meisten Veranstaltungen finden in den Sommermonaten statt, doch auch im Winter gibt es regelmäßige „Dark Nights“-Events, bei denen Jugendliche in einer gemütlichen Atmosphäre kreativ werden.
Ein besonderes Merkmal von Zini ist seine Flexibilität. Während viele Kulturzentren feste Räumlichkeiten haben, arbeitet Zini oft mit temporären Locations zusammen – von alten Fabriken bis zu öffentlichen Plätzen. Dies ermöglicht es, die Projekte an die Bedürfnisse der Community anzupassen und gleichzeitig neue Räume für experimentelle Kunst zu erschließen. Ein Beispiel ist das „Zini Lab“, ein mobiler Workshopwagen, der in verschiedenen Städten stationiert wird und dort lokale Initiativen unterstützt.
Herausforderungen und die Zukunft von Zini
Trotz des Erfolgs steht Zini vor Herausforderungen. Die Finanzierung bleibt eine der größten Hürden, da viele Projekte auf öffentliche Mittel angewiesen sind. Zudem wächst der Druck, sich von klassischen Kulturangeboten abzugrenzen – viele Jugendliche suchen heute andere Formen der Unterhaltung, etwa in digitalen Communities. Dennoch bleibt Zini ein Vorbild dafür, wie Kultur und Spiel zusammenwirken können. Die nächste Phase des Projekts sieht vor, das Konzept noch stärker auf digitale Tools auszuweiten, etwa durch virtuelle Workshops oder eine eigene Plattform für junge Künstler:innen.
Das Projekt play-zini.ch/de-ch zeigt, dass Kultur nicht nur für Erwachsene interessant sein muss. Es ist ein Beweis dafür, dass Spiel und Kreativität Hand in Hand gehen können – und dass ein Ort wie Zini die Chance bietet, die Jugendkultur der Zukunft aktiv mitzugestalten.