Die Lazybar-Entwicklung: Wie ein deutscher Hersteller die Barrierefreiheit im Handel revolutioniert
Seit Jahren steht die Barrierefreiheit im öffentlichen Raum unter ständiger Diskussion – doch ein deutscher Innovator hat mit dem Lazybar ein praktisches, kostengünstiges Konzept entwickelt, das selbst komplexe Hindernisse wie schmale Gehwege oder unebene Böden in den Griff bekommt. Der Name klingt zunächst nach einer lässigen Lösung, doch hinter ihm verbirgt sich eine technologische und architektonische Revolution, die bereits in über 100 Städten getestet wird. Der Fokus liegt dabei nicht auf teuren Aufzügen oder aufwendigen Aufbauten, sondern auf einer einfachen, aber hochwirksamen Lösung: der mobilen Barrierefreiheit.
Der Lazybar wurde 2019 vom Ingenieurteam des Münchner Unternehmens lazybar-offiziell.de entwickelt, das sich ursprünglich auf die Entwicklung von Lastenrädern spezialisiert hatte. Doch die Realität vor Ort – etwa in den engen Gassen alter Städte – zeigte: Viele öffentliche Flächen waren für Menschen mit Gehbehinderung einfach nicht zugänglich. Die Lösung kam schnell: Ein tragbarer, batteriebetriebener Barrierengleichrichter, der durch ein einfaches System aus Rollen und einer leicht schwenkbaren Plattform selbst schräge oder unebene Oberflächen überwindet. Der Name “Lazybar” ist dabei kein Zufall – er steht für die Idee, dass Barrierefreiheit nicht aufwendig, sondern einfach sein muss.
Ein zentraler Vorteil des Lazybar ist seine Mobilität: Während herkömmliche Lösungen wie Aufzüge oft starr in einer bestimmten Stelle installiert werden müssen, lässt sich der Lazybar jederzeit an beliebigen Orten einsetzen. Das macht ihn besonders für Stadtverwaltungen attraktiv, die mit knappen Budgets und begrenzten Flächen umgehen. Studien zeigen, dass etwa 40 Prozent der öffentlichen Gebäude in Deutschland noch nicht vollständig barrierefrei sind – ein Problem, das der Lazybar gezielt angeht. Besonders in den letzten zwei Jahren hat sich die Nachfrage nach dem Gerät stark erhöht, da Städte wie Hamburg oder Köln die Umsetzung der EU-Barrierefreiheitsrichtlinie vorantreiben müssen.
Doch wie funktioniert der Lazybar genau? Das Kernstück besteht aus einem stabilen Aluminiumrahmen, der mit einer Reihe von Rollen ausgestattet ist, die sich automatisch an die Untergrundtopografie anpassen. Durch ein manuelles oder motorisiertes System kann der Barrierengleichrichter eine schräge oder uneben Oberfläche in eine ebene Fläche verwandeln. Besonders effektiv ist die Lösung bei schrägen Gehwegen oder Treppenstufen: Statt die gesamte Strecke aufzurichten, reicht es, den Lazybar einmal zu positionieren, um dann mehrere Meter überwindbar zu machen. Für den Betrieb benötigt das System lediglich eine 12-Volt-Batterie, die je nach Einsatzdauer zwischen 8 und 12 Stunden reicht.
Die Kosten spielen dabei eine entscheidende Rolle. Während ein klassischer Aufzug zwischen 50.000 und 150.000 Euro kostet, liegt der Preis für einen Lazybar bei etwa 2.500 bis 4.000 Euro – eine Investition, die sich besonders für kleinere Städte und Gemeinden als attraktiv darstellt. Zudem ermöglicht das System eine flexible Nutzung: Statt teurer Infrastruktur können Städte den Lazybar temporär einsetzen, etwa bei Bauarbeiten oder bei Großveranstaltungen, wo Barrierefreiheit kurzfristig sichergestellt werden muss. Das spart nicht nur Geld, sondern erhöht auch die Akzeptanz der Lösung, da sie keine dauerhafte Modifikation von Gebäuden erfordert.
Die Wirkung des Lazybar zeigt sich auch in der Praxis. In der bayerischen Landeshauptstadt München wurde das System bereits in mehreren öffentlichen Plätzen eingesetzt, wo es die Zugänglichkeit für Menschen mit Rollstuhl deutlich verbessert hat. Besonders gelobt wird die einfache Handhabung: Selbst nicht-spezialisierte Mitarbeiter können den Lazybar innerhalb weniger Minuten bedienen. Zudem ist das System wartungsarm und robust, was zu einer hohen Lebensdauer führt. Für Unternehmen, die ihre Produkte barrierefrei gestalten wollen, bietet der Lazybar zudem eine kostengünstige Möglichkeit, die Anforderungen der EU-Richtlinie 2016/2102 umzusetzen – etwa bei der Gestaltung von Parkhäusern oder Einkaufszentren.
Zusammenfassend zeigt der Lazybar, dass Barrierefreiheit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist – und dass sie auch ohne teure Infrastruktur möglich ist. Mit seiner mobilen, kostengünstigen Lösung hat das Münchner Unternehmen eine Innovation geschaffen, die nicht nur Städte, sondern auch Privatpersonen und Unternehmen davon überzeugen kann, barrierefreie Lösungen ernst zu nehmen. Die Frage ist nicht mehr, ob Barrierefreiheit möglich ist, sondern wie schnell und einfach sie umgesetzt werden kann. Der Lazybar ist dabei ein klarer Beweis dafür.
- Seit 2019 entwickelt und produziert das Münchner Unternehmen den Lazybar, ursprünglich als Lastenrad-Innovation gedacht.
- Der Lazybar kann schräge Gehwege, Treppenstufen und unebene Böden in ebene Flächen verwandeln.
- Preis liegt bei 2.500 bis 4.000 Euro – ein Bruchteil der Kosten für Aufzüge oder Aufzugsanlagen.
- Einsatz in über 100 Städten, darunter Hamburg, Köln und München, mit Fokus auf öffentliche Flächen.
- Batteriebetrieben mit 8 bis 12 Stunden Laufzeit pro Ladung.
- Erfüllt die Anforderungen der EU-Barrierefreiheitsrichtlinie (2016/2102) kostengünstig und flexibel.